Frauen in der IT: Anna, Software-Testerin

Letzte Woche haben wir Euch Laura vorgestellt, deren Weg in die IT-Branche mit dem Interesse an Design und Mode begonnen hatte. Bei Anna war das etwas anders: Als Tochter einer Ingenieurin und eines Physikers ist sie praktisch mit Formeln, Zahlen und Codes aufgewachsen. Dass sie mal einen MINT-Beruf (MINT ist die offizielle Abkürzung für Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft) ausüben würde, das stand gar nicht zur Diskussion.

Bereits als kleines Mädchen kam Anna oft in die Technische Universität Breslau – um ihren Vater an seinem Arbeitsplatz zu besuchen. „Und irgendwie war schon immer klar, dass ich eines Tages mal selbst dort studieren würde“, erzählt sie. „Da war einfach immer eine Verbindung. Wir hatten auch viele technische Bücher zu Hause, die ich mir angesehen habe. So habe ich dann Informatik studiert. Wie mein Bruder auch. Ach, und mein Freund!“

Die beiden waren es auch, die sie auf die Idee brachten, ihr Pflichtpraktikum im Bereich Software Testing zu machen. „Ich beobachte und analysiere gern. Ungenauigkeiten und Fehler fallen mir schnell auf. Das sind Eigenschaften, die man braucht als Software-Testerin. Deshalb haben die zwei mir dazu geraten.“ Und sie hatte Spaß an der Arbeit: Dem Praktikum folgte ein studienbegleitender Job in dem Bereich. Nach dem Studium wurde sie Software-Testerin bei einer Bank, jetzt testet sie für „Wer liefert was“.

Was macht eine Software-Testerin eigentlich genau? „Ich unterstütze die Arbeit der Entwickler. Wenn diese eine neue Funktion programmiert haben, prüfe ich, ob diese auch wie gewollt funktioniert. Ich schaue, ob alles gut aussieht und stelle sicher, dass die neue Funktion nicht andere Prozesse im System beeinträchtigt.“ Jede dieser Funktionen wird als „Story“ definiert. Diese ist eine Art Drehbuch oder Geschichte, das Anna verrät, welchen Zweck die neue Funktion hat und wie sie ablaufen und wirken soll. Wenn es Probleme oder Unstimmigkeiten gibt, wendet sie sich entweder an den Auftraggeber, der sich die Funktion ausgedacht, oder an den Entwickler, der sie umgesetzt hat. „Ich muss oft Feedback geben und zum Beispiel dem Entwickler objektiv erklären, warum ich noch nicht zufrieden bin. Das erfordert auch kommunikative Stärken“, erklärt sie.

Das meistert Anna, obwohl Deutsch gar nicht ihre Muttersprache ist. Als sie und ihr Freund vor einigen Jahren von Polen nach Deutschland gezogen sind, war das ihr großes Abenteuer: ein neues Land, eine neue Sprache, ein neues Leben. „Wir sind nicht gegangen, weil es keine Jobs gegeben hätte. In Polen gibt es auch recht viele Arbeitsplätze im IT-Bereich“, erläutert sie. „Wir wollten einfach mal etwas Neues ausprobieren.“ Diese Neugier auf Neues ist im Job der Software-Testerin existenziell: „Das ist eigentlich das Wichtigste.“

Neugier, Kommunikation, Beobachten: Das klingt mehr nach Kreativ-Branche als nach einem Informatik-Job zwischen Einsen und Nullen. Anna stimmt zu: „Mein Informatik-Studium hilft mir zwar, die Prozesse hinter dem, was ich teste, zu verstehen. Aber zentral ist dieses Wissen eigentlich nicht für den Job.“ So haben einige Software-Tester auch keinen technischen Hintergrund, sondern sind Quereinsteiger.

Die IT-Branche ist mittlerweile ein Ort vielfältiger Möglichkeiten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus unterschiedlichen Feldern – ihr Image aber bleibt das gleiche: „Überall, in Polen und in Deutschland, schrecken Frauen vor technischen Berufen zurück, weil das angeblich Männersache ist“, sagt Anna. Für sie bedeutete das schon immer: Ob in der Mathematik-Klasse, im Informatik-Studium oder jetzt im Job – als Frau ist sie eine von wenigen.

„Aber so ist das nun mal“, resümiert sie. „Hier arbeiten mehr Männer, in anderen Bereichen sind es mehr Frauen.“ Ob sie sich einen Frauen-Zuwachs in ihrer Branche wünschen würde? „Es könnte für alle eine gute Erfahrung sein.“ Aber wohl fühlt sie sich im Grunde auch jetzt schon.

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