Frauen in der IT: Marjan, Werkstudentin

Letzte Woche haben wir Euch Jennifer aus dem Team Frontend Development vorgestellt. Heute wandern wir ins sogenannte Backend Development: Hier wird geregelt, was hinter den Kulissen einer Website passiert. Wenn zum Beispiel ein Button angeklickt wird und daraufhin Informationen aus einer Datenbank gesucht und dem Nutzer bereitgestellt werden – das wird organisiert durch Backend-Entwicklerinnen wie Marjan. Sie arbeitet aktuell als Werkstudentin bei „Wer liefert was“.

„An unseren Boards hängen Post-Its mit verschiedenen Aufgaben-Beschreibungen – sortiert und strukturiert. Je nach Dringlichkeit der Aufgaben und danach, wie viel Zeit man gerade hat, sucht man sich einen Arbeitsschritt aus und los geht’s“, erläutert Marjan. Wie Anna und Jennifer entnimmt auch sie die Details über die zu implementierende Funktion aus der „User Story“. „In der Regel bearbeiten wir die Aufgaben zu zweit. Wir nennen das ‚Pair Programming‘. Das klingt erst einmal ineffektiv, ist es aber gar nicht: Wenn vier Augen auf ein Problem blicken, bekommt man es schneller und effektiver gelöst. Man umgeht Denkblockaden und Flüchtigkeitsfehler.“

Neben ihrem Job bei „Wer liefert was“ studiert Marjan Angewandte Informatik. Dass sie einmal diesen Studiengang besuchen würde, hätte die 27-jährige noch vor wenigen Jahren wohl nicht erwartet: „Als ich mein Abitur machte, interessierte ich mich besonders für Themenfelder wie Philosophie, Geschichte oder Archäologie. Gern hätte ich etwas in einer dieser Richtungen studiert – aber die Chancen, am Ende auch wirklich in dem Bereich zu arbeiten, sind doch verschwindend gering.“

Direkt nach dem Schulabschluss kam ein Studium sowieso nicht in Frage: Erstmal musste Geld her! Marjan wohnte bereits allein und hatte sich bisher als Kellnerin etwas dazu verdient. Dieser Tätigkeit wollte sie übergangsweise weiter nachgehen, bis das Geld fürs Studium reichen würde. Doch ihr Vater überzeugte sie, stattdessen eine Ausbildung zu machen. „Da hat man am Ende wenigstens einen Abschluss in der Hand. Das fand ich einleuchtend.“ Also absolvierte sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistungen.

Viel Freude hat ihr die Arbeit in der Logistik-Branche aber nicht bereitet: „Ein großes Problem waren die Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden und ausfallende Mittagspausen waren an der Tagesordnung. Und das bei vergleichsweise schlechter Bezahlung!“ Zum anderen suchte Marjan vergeblich nach beruflichen Herausforderungen: „Die Ausbildung war nicht sehr anspruchsvoll. Und später im Job merkte ich einfach, wie meine früheren Interessen und Fähigkeiten einrosteten.“ Eine Fortbildung zur Gefahrgutbeauftragten sollte für Abwechslung sorgen. „Aber auch das machte den Berufsalltag für mich nicht spannender.“

Als sie im Bereich Supply Chain Management eingesetzt wurde, fing Marjan an, Software-Systeme näher kennen zu lernen. Um bestimmte Probleme zu lösen, musste sie mit den Entwicklern der Firma kommunizieren. Das lief so gut, dass sie bald an Systemtests beteiligt war und immer enger mit dem Entwickler-Team zusammenarbeitete.

„Mein damaliger Freund studierte bereits Angewandte Informatik. Es interessierte mich sehr, was er da lernte und was man damit beruflich so macht. Also löcherte ich ihn mit Fragen.“ Er ließ sich nicht lange bitten und stellte ihr bei der nächsten Gelegenheit die Grundzüge der Programmiersprache Java vor: „Ich war total begeistert. Man hat ein weißes Blatt vor sich, tippt ein bisschen was in die Tasten und plötzlich passiert da etwas auf dem Bildschirm.“

Kurz darauf begann Marjan ihr Studium. Und wie gefällt es ihr? „Es ist super“, schwärmt sie. „Ich hätte ja früher gar nicht gedacht, dass ich mal in die Informatik gehen würde. Aber die Fähigkeiten, die in der Angewandten Informatik zählen, kann ich zum Teil von meinen anderen Interessenfeldern ableiten: Da ist zum Beispiel der Sinn für Logik, der auch in der Philosophie gefragt ist.“

Neben dem logischen Denken zählt auch Teamgeist. „In dem Studium machen wir alles gemeinsam, da gibt es nicht dieses Einzelkämpfer-Denken. Und dadurch, dass man sich gegenseitig unter die Arme greift, finden sich auch Anfänger, wie ich es damals war, gut zurecht.“

Im Gegensatz zu ihrer vorherigen Beschäftigung sieht Marjan jetzt eine ganze Palette an Chancen der Weiterbildung vor sich. „Die Programmiersprachen und ihre Möglichkeiten entwickeln sich immer weiter. Man ist praktisch gezwungen, auf dem Laufenden zu bleiben und sich fortzubilden. Diesen Ansporn finde ich toll.“

Was Marjan aber neben den professionellen Herausforderungen an ihrem Studium und Job besonders gefällt, sind die Leute: „Das ist einfach genau mein Schlag Mensch! Die Kollegen und Kommilitonen sind so nett und aufgeschlossen. Es sind zwar mehr Männer als Frauen, aber ich habe noch keinen einzigen Kommentar zu meinem Geschlecht gehört oder eine sonstige Diskriminierung erfahren.“ Außerdem sorge der Fachkräftemangel in der Branche dafür, dass viele Menschen aus dem Ausland einspringen. „Diese internationalen Belegschaften sorgen zusätzlich für eine aufgeschlossene Kultur. Es ist egal, wer man ist und woher man kommt: Was zählt, ist die Qualität der Codes.“

Die IT-Branche bestimmt mittlerweile einen Großteil unseres alltäglichen Lebens. „Solange hauptsächlich Männer Soft- und Hardware entwickeln, ist doch klar, dass diese Dinge in Funktionen und Design auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten sind. Ich finde es deshalb wichtig, dass Frauen in den entsprechenden Jobs arbeiten, sich einmischen und Innovationen mitgestalten“, betont Marjan.

Außerdem bietet die Branche neben gut bezahlten Jobs auch flexible Arbeitszeiten. „So kann ich als Studentin weniger arbeiten.“ Anderen Kolleginnen wiederum ermöglicht es eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie.

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